Benvenuti! Eine Kaffee-Pause am Comer See…

Text: Christian Grass

Picture-Telling: Bruno Roeder


 

An einem Ort, der die Sehnsucht des Menschen nach Frieden und allen Farben des Lebens erfüllt, spricht ein Kaffeesommelier auch über eine Frau, die den Kaffee-Filter erfand.

 

Die Autobahn spult sich ab wie ein langes Leben. Eines, das Rituale beherbergt. Eines, das Genuss zelebriert. Dann geht es weiter über Nebenstrassen und am Comer See entlang. Schliesslich über eine enge Strasse hin zur Perle des Sees, nach Bellagio. Der Ort ist auf einer Halbinsel gelegen.

Francesco Pietri wartet unter Zypressen auf mich. Der kleine Mann mit dem lustigen Gesicht strahlt mich an: „Boungiorno Signor, gradisce del caffè?"Niemand könnte diese Frage wohl treffender stellen: „Möchten Sie einen guten Kaffee?"

Signor Pietri ist Kaffeesommelier. Er ist ein renommierter Kaffeekenner. Restaurantbesitzer. Ihm gehört auch das Caffè Pasticceria Rossi am Comer See. Wir setzen uns an einen seiner Messingtische im Garten. An diesem Ort ist die Welt das Ergebnis vollendeter Schönheit: umgeben von alten Villen, grossen Gärten, einem Blumenmeer, dem See, so zart wirkend wie ein gemaltes Aquarell. Und an diesem Ort duftet es Minuten später nach einem Cappuccino, der betört, inspiriert und zum Träumen verführt.

 

„Certo, Signor - der Kaffee nimmt in der Rangliste der Weltwirtschaftsgüter den 2. Platz hinter Erdöl ein. Kein anderes Getränk wird so häufig und zu so unterschiedlichen Anlässen konsumiert wie Kaffee", berichtet Francesco Pietri. Und natürlich gäbe es beim Kaffee, wie auch beim Wein enorme Unterschiede in Bezug auf Herkunft, Qualität, Sorte, Geschmack und Röstung, berichtet der Kenner.

„Das Entscheidende ist neben der Auswahl der Kaffeebohnen die Zubereitung des Kaffees", erklärt der Italiener Francesco Pieri und lächelt gütig. Privat würde er dazu jedoch ausschliesslich seinen Porzellan-Filter verwenden. Er hüte ihn wie seinen Augapfel.

 

„Auch wenn im Grunde nur Wasser und Kaffeemehl miteinander vermischt werden, so gibt es je nach Zubereitungsvariante große Geschmacksunterschiede", bekennt der Kaffeesommelier mit neugierigen Augen in seinem runden Gesicht. Dann berichtet er, während ich am Cappuccino nippe und das vollmundige Kaffeearoma unter zartem Milchschaum herausschmecke, dass es Melitta Benz war, die ihn vor fünf Jahrzehnten zum echten Kaffeegenuss inspirierte: „Ich liebe den Original Melitta Porzellan-Filter, den ich täglich bei meinen Grosseltern zu sehen bekam. Hier wurde das Aufbrühen noch manuell von Hand ausgeübt. Auf dem Holzkohleherd wurde dafür ein Kessel mit Wasser erhitzt. Anschließend musste das kochende Wasser über diesen Porzellan-Filter gegossen werden, welcher wiederum auf einer Kaffeekanne stand. Die Aromen im Kaffeemehl im Inneren des Filters wurden somit aufgelöst und es entstand ein aromatischer, unvergleichlicher Kaffee. Mit dieser Brühmethode wird noch heute die Qualität von so manchem Kaffee getestet."

 

Für den Kaffeesommelier Pietri ist Melitta Benz eindeutig die Mutter des Kaffeegenuss'. Signor Pietri widmet sich heute nicht nur in Bellagio am Comer See dem Kaffeegenuss. Er hält in ganz Europa Vorträge zur Herstellung und dem Kauf von Kaffee, oder zu den Unterschieden der Kaffeesorten Arabica und Robusta. Er spricht vor Hunderten in den Hotelfachschulen Italiens über die zahlreichen Brühmethoden, die das Kaffeearoma in Gänze für den Gast entfalten sollen.

„Durchaus, Signor, Melitta ist für mich der Inbegriff des Kaffeebrühens", ergänzt Pietri. Natürlich gibt es heute viele namhafte Marken die Kaffeemaschinen herstellen. Doch ich liebe den Erfindergeist dieser SignoraMelitta Benz und die hohe Qualität des Unternehmens bis heute, - somit bleibe ich diesem Urgestein des Kaffeegenuss' auch bis heute treu."

 

Sein Caffè Pasticceria Rossi füllt sich. Mütter kommen mit Kinderwägen, Arbeiter erscheinen in Latzhosen, Bankangestellte in topmodischen italienischen Anzügen, Schüler eilen mit Heften unter den Armen heran. Ob Espresso, ob Caffè Americano, Latte Macchiato oder jener Cappuccino, der mich selbst dazu verführte, Erinnerungen an den Kaffeeduft im Hause der Eltern oder meiner geliebten Grossmutter aufleben zu lassen, - der Kaffee spielt im Leben der meisten Menschen eine tragende Rolle. Er belebt, er macht munter, er gehört in die unterschiedlichsten Situationen des Tages von uns allen immer irgendwie hinein.

 

„Kaffee ist absolut ein Lebenselixier", meint Francesco Pietri. Ob wir für dessen Zubereitung den Kaffeefilter, die Filterkaffeemaschine oder einen hochmodernen Vollautomaten benutzen, „ist Sache jedes Einzelnen". Und doch, so möchte ich von meinem Kaffeesommelier noch wissen, wird es vermutlich auch bei den Vollautomaten grosse Unterschiede geben?

„Alle Vollautomaten, auch jene von Melitta, sind heute innovative Alleskönner unter den Kaffeemaschinen. Kein anderes Gerät kann Kaffee in solch einer Vielfalt und Perfektion herstellen. Hier wird weniger Kaffee gekocht, als Kaffee „erschaffen". Der Vollautomat muss lediglich mit Kaffeebohnen und Wasser befüllt werden und liefert anschließend auf Knopfdruck jede beliebige Kaffeekreation. Dazu gehören unter anderen Latte Macchiato, Cappuccino, Espresso und vieles vieles mehr."

 

Ein Postbote kommt mit einem gelben e-Bike heran geradelt. Er bringt dem drahtigen Signor Pietri drei grosse Briefumschläge vorbei. Dann bleibt er flugs am Bartresen stehen und bestellt sich einen „Espresso doppio Macchiato, per favore". Seine „pausa" geniesst der Postbote in Geselligkeit vieler unterschiedlicher Menschen, die alle hier im Café dieses bekannten Kaffeesommeliers am Comer See für Minuten zusammenkommen, um den Duft frisch gebrühter Kaffeebohnen zu einem Intermezzo aller Sinne zu machen. Und irgendwie scheint einst Melitta Benz gewusst zu haben, welche Freude ihr Kaffee-Filter bei der Menschheit weltweit auslösen würde.