Hast du ein Rad ab?

Text: Christian Grass

Picture-Telling: Bruno Roeder 


 

Wir lieben Frauen, ein lockeres Leben und schnelle Autos. Irgendwann müssen wir uns dann der quälenden Frage stellen: Wer versichert all das, und auch noch andere Katastrophen? Wenn die Versicherungsfrage zu einem abendfüllenden Programm von Ehepartnern wird…

 

Er liebt sie noch immer. Mit ihr war er einst an der Côte d’Azur: Von Menton bis Nizza ist er mit ihr gemächlich auf der Corniche du Litoral am Meer entlanggeschaukelt, das Verdeck halb geöffnet; die rechte Hand war ständig mit der Revolver-Schaltung beschäftigt, raufschalten, runterschalten, während seine Augen den Zauber und die bunten Farben des Südens und das Blau des Meeres gierig aufsogen. Seine 2CV hatte er sich von seinem ersten Ersparten gekauft. Rot war sie. Schön war sie. Eine Lady aus dünnem Blech. Damals machte er sich kaum Gedanken, oder Sorgen: nicht über das Leben, nicht über die Zukunft oder sein knallrotes Auto. Damals, also vor endlos vielen Jahren, versicherte er sich nicht gegen Notfälle, nicht gegen Katastrophen oder Unglücke. Heute schon. Denn heute ist er ein angesehener Mann mit Besitz. Heute stehen in seiner geräumigen Garage, die zu einem noch viel geräumigeren Haus am Zugersee gehört, ein Wohnmobil, mit dem er schon bis Anatolien gefahren ist, ebenso ein Cabriolet für seine Frau Evi und sein eigener, wirklich einzigartig prachtvoller Wagen mit 512 PS, feinstem Englischen Leder und einer imposanten Stereoanlage, die ihm Vivaldi und Chopin in exquisiter Akustik, auch noch bei hohem Tempo, zu Gemüte führt. Autos sind sein Elixier. Er liebt die Freiheit des Fahrens. Er liebt Geschwindigkeit. Er liebt jedoch auch jene „Autospaziergänge" durch schöne Landschaften, so wie damals die Fahrt mit seiner geliebten „Ente" entlang der Südfranzösischen Küste.

 

„Karl, Du musst unbedingt eine Versicherung abschliessen, die nicht nur Blech und Menschen versichert, sondern auch das kostbare Leder in deinem Auto und vor allem das outstanding Hifi-Soundsystem in unserem Hymermobil", gab ihm seine Frau just in dem Augenblick zu denken, als er gerade wehmütig an seine Jugend mit der 2CV zurückdachte.

 

Es half nichts. Das Ehepaar verbrachte ganze Abende damit durchs Netz zu surfen, um endlich den geeigneten Versicherer für Blech, Mensch, Leder und sämtlichen anderen Autoluxus zu finden. „Autoversicherung ist Autoversicherung, ganz gleich bei wem du dich versicherst, Evi. Wenn’s kracht, oder wenn ein Schurke unser Zuhause auf Rädern aufbricht, dann wird jede Versicherung erstmal schlucken und im besten Fall nur irgendwas bezahlen." Diesen leichtsinnigen Satz, auch noch ziemlich flapsig formuliert, hätte Karl besser nicht geäussert. Seine Frau drohte ihm bereits mit dem Zeigefinger, krähte „hast du ein Rad ab?" und verwiese dann energisch auf den Mann ihrer besten Freundin, Claudia: „Die haben nach langem Suchen die Basler Versicherung gewählt, die Baloise also, wie Claudia mir sagte. Und weisst du warum? Weil diese Baloise eben zusätzlich alle fürchterlichen Missgeschicke ihrer Kinder im Auto mitversichert. Ihre kleine Angi zum Beispiel hatte kürzlich ihre Ovomaltine geradeaus über den Beifahrersitz gekippt. Und die Basler-Versicherung hat, dank dieser so genannten Innenraumversicherung, so berichtete mir Claudia, das ganze Malheur bezahlt." Evi triumphierte bei dieser Feststellung nicht wenig.

 

Dass Karl und Evi gar keine Kinder hätten, die Kakao oder Limonaden über das englische Leder seines 512 PS-starken Wagens schütten könnten, wagte Karl nicht mehr zu äussern. Jedoch beschäftigte er sich daraufhin kurz und rein analytisch und ohne irgendwelche Emotionen oder Gedanken an Evi, Claudia und deren Kinder, intensiv mit den Leistungen der Basler-Versicherung. Und siehe da: Es gab dort irgendwo einen ganz anderen Hinweis, der Karl bei dieser Autoversicherung auffiel, ja, durchaus sehr gefiel: „Sicherheitsbaustein Eigenschäden". Er musste schmunzeln als er weiterlas, denn hatte nicht seine Frau erst kürzlich mit ihrem Cabrio ihr gemeinsames Hymermobil gestreift?

 

„Stell dir nur vor Claudia, der Karl hat endlich und nach ewiger Zeit die ideale Autoversicherung gefunden. Eure Baloise. Nein, überhaupt nicht wegen der Innenraumversicherung, sondern wegen irgend so eines Bausteins für Eigenschäden", hörte er am nächsten Tag seine Frau, auf der Terrasse sitzend, ihrer Freundin per Telefon berichten.