The Sensation Seeking - Marke-Tier!

Der Sensation Seeker: Tägliche Jagd nach dem Reiz! Unternehmen haben Reizsüchtige sogar in ihrem Kader sitzen! „Brennt“ die Schweiz erneut lichterloh oder gar ab? Was tun, wenn Sensation Seeker unzählige Konsumenten-Reize produzieren und doch kein Produkt mehr verkaufen? Was tun, wenn Sensation Seeker im Management auf keine normalen Mails und Anrufe mehr reagieren, da ihnen diese zu langweilig und zu wenig „spannend“ erscheinen?

 

Ist dieses Land auf dem Weg in die Digitalisierung oder auf dem schmalen Grat zwischen Innovation und der brüsken Ignoranz gewinnbringenden Lösungen gegenüber, schon entgleist? Die „Sensation Seeking Marke-Tiers“ fighten zwar noch um ihren eigenen Machterhalt im Job, jedoch nicht um die digitale Lösung für einen Mehr-Erfolg! Und nun?

 

“Hallo, Anina Wullschläger, Stockfish & Bear Versandhandel, am Apparat” – ihre Stimme am Telefon klingt wie ein ungebügelter Schlafanzug: zerknittert, müde, gelangweilt.

 

Der Anrufer, ein geborener Verkäufer und Enthusiast, lässt sich davon nicht beirren:

Eine Mail habe er ihr geschrieben mit wichtigem Inhalt, er habe eine Lösung für präzise Dialogkommunikation mit Online-Identitäten, um mehrere Brands ihres Versandhandels schneller, direkter, feinfühliger zu verkaufen und gleichzeitig die Markentreue der Prosumer zurückzugewinnen. „Ist das nicht herrlich, liebe Frau, ein Geschenk an Ihr Unternehmen gar, eine Bereicherung im Dschungel der Unwissenheit und aller Try & Error-Projekte im Dunkel erfolgloser Digitalkommunikation auf Facebook und Twitter?“

 

„An keine Mail kann ich mich erinnern. Wie und warum auch? Ich lösche fast alle sofort. Nein, Herr Anrufer, an Ihren komischen Newsticker erinnere ich mich schon gar überhaupt nicht, denn fremde Newsletter langweilen mich noch mehr als meine eigenen, die ich für irgendwelche eingekaufte Konsumenten-Adressen produzieren lasse.“ Anina Wullschläger, dies gilt es zu wissen, liest nämlich nur dann und schaut nur dann mit aufgeregten Äuglein irgendwo hin, wenn ihr Erregungsniveau bereits genügend aufgepeitscht ist. Schon nach dem Aufstehen in Herrgottsfrühe geht sie auf Jagd nach den ersten Sinneseindrücken: iPhone, iPad, Radio, Facebook, LinkedIn, Mails, Chats, Television – Wow! Es ist noch nicht 8 Uhr und die Marketingverantwortliche hat schon eine Überdosis Sinnesreize intus.

 

Übel gelaunt und frustriert von der Miesepetrigkeit dieser saturierten Welt, betritt sie dann ihr Büro und öffnet ihre übervolle Agenda auf ihrem DELL: Meeting, Meeting, Meeting, Meeting – Mittag – langes Meeting - Feierabend. Dann löscht sie rasant fast alle ihrer verfluchten Eingangs-Mails, ausser jedoch es taucht eines in tizianrot auf oder eines ohne rechtem Inhalt aber als nervöses Bewegtbild, ein hektisches Bildsammelsurium in short-time-Schnittintervallen, - das macht sie an; und später hockt sie dann – bewaffnet mit iPhone, iPad und drei privaten Smartphones in zähen Meetings. In diesen geht es um Programmatic Buying, Microtrageting, Influencermarketing und um eine dicke Ladung Content für die neu eingekauften Consumer-Adressen, die irgendwie ihren „Zielgruppen“ entsprechen sollten. Das langweilt Frau Wullschläger jeden Tag mehr, das frustriert sie aufs Blut, doch die Rettung bis zum ersehnten „Schweins-Voressen“ zu Mittag sind ihre mobilen „Grätli“ auf denen es im Minutentakt vibriert, halbstumm surrt, blinkt, schnarrt, aufpoppt; ihre „Grätli“ mit den neuesten, knallbunten Emojis umklammert sie eisern, ihre „Grätli“ mit tiefdunklen News über das systematische Absaufen aller Marken ohne jeglichen US- und UAP und ihren heiss erwarteten WhatsApp Nachrichten vom neurotischen Ehemann, einem gewöhnlichen Marke-Tier in der umkämpften Autobranche und ihren minderjährigen Kindern, die sich gestern dazu entschlossen haben in den Islam zu konvertieren, bieten ihr Heimat- und Wohlgefühl.

 

Anina Wullschläger ist ein Sensation Seeker! Ein Marke-Tier, das nach Reizen jagt. Sie sucht mit einem „geringen initialen Erregungsniveau eher aufregende Reize“. Sie sucht in ihrem analog-digitalen Leben ständig neue Reize, um „den gewünschten Pegel ihrer Stimulierung halten zu können“. Das Marke-Tier Wullschläger rangiert auf der sogenannten „Sensation Seeking Scale“ auf dem NISS-Rang, der bereits als „leicht pathologische Reizsucht“ bezeichnet werden darf. Ihr kontinuierliches „Thrill Seeking“ übersetzt sie in ihr privates und berufliches Leben mit Vollgas: Lebensgefährliche Sprünge aus Sportflugzeugen, Tiefseetauchen an den allertiefsten Stellen des pazifischen Ozeans, neun Mal Urlaub im Jahr,

24-Stunden-Trips um die Erdkugel nach Tokio, Shoppingexzesse in Dubai und Muscat. Als Marke-Tier lässt sie beruflich vor allem grellbunte Trailer und Videos für Facebook produzieren, jede Sekunde ein neues Schock-Bild, ohrenbetäubender Musiklärm und dazwischen heisse Girls & Boys, die – in Zehntelsekunden sichtbar - bunte Stofffetzen tragen, welche die Kollektionen der Versandhandel-Brands „zeigen“ sollen. Das gefällt den eingekauften „Zielgruppenadressen“, die damit bedient werden:

 

15-21Jährige, die zu diesem Youtube-Versandhandel-Rock auf den Tischen in ihren Klassenzimmern grölen. „Geil“ sei dieses Wullschläger-Video,

„geile Pics“ und „geile Musik“: 26‘000 Kids haben es bereits angesehen, drei haben es geliked. Immerhin. Frau Wullschläger freut der Sensationserfolg für ihre Firma, sie wurde für diese Leistung schon in die engere Wahl des „Marke-Tiers 2018“ von einem Verlag berufen, der sich übrigens alle „Fachartikel“ über „herausragende digitale Leistungen einiger Firmen“ von denselben vorab teuer bezahlen lässt. Frau Wullschläger hörte den Begriff Sensation Seeking leider noch nie. Sie ist nur ein Opfer und eine Täterin gleichzeitig. Sie tut was alle tun: Reizen nachjagen, Reize hammerhart-und-messerschaf produzieren, um ihre Markenbotschaften (Content) den Konsumenten so laut wie möglich um die Ohren zu hauen.

 

Hätte sie jemals den Begriff Sensation Seeking wirklich auf den unzähligen „MarketingBAMMS“ studiert, dann wüsste sie über seinen Begründer, Marvin Zuckerman, bescheid. Ein grossartiger Forscher, ein US-Amerikaner, der klug handelnden Konzernen und Firmen zu Milliarden Umsätzen verholfen hat. Marvin Zuckerman, der sich mit dem Menschen beschäftigt, seinen Persönlichkeitsmerkmalen, der das tat, was alle Marketingleute in der Schweiz tun müssten: den Konsumenten in den Mittelpunkt ihres Handelns stellen und nicht Trends, Hypes oder technologische Machbarkeiten für Leute, die Unternehmen zwar als „Zielgruppe“ bezeichnen, sie aber gar nicht aus ihrem veränderten Verhalten heraus kennen. Was das Credo, das markenrelvante Ergebnis von Zuckerman also, für echte Markenexperten ist?

 

Der Mensch sucht immer nach Sinneseindrücken. Er läuft ihnen auch hinterher. Die Digitalisierung schuf und schafft ein Katapult von Reizen, die sich mit den Reizen der analogen Welt (andere Reizstrukturen) mischen, kreuzen. Marken sollten physiologische Sinneseindrücke vermitteln. Doch Achtung: dadurch, dass wir ständig Reizen ausgesetzt sind, sollte die Marke jetzt gerade nicht schnell, rasant, bunt, grell dem Konsumenten begegnen, sondern ihn, dem ausgefeimten Sensation Seeker, in seinem Urgefühl (Archaik) treffen: übrigens, genau deshalb funktionieren Katzenvideos so gut, sie sind „unaufgeregt, ruhig, erzeugen Beschützerinstinkte, wecken Geborgenheitsgefühle und Kindheitserinnerungen (Urgefühle)“

(vgl. P. Hammelstein, ein Schüler Zuckermans). Die Umkehrung der Thrill-Strategie tut also den Marken gut und die könnte in der Digitalkommunikation so aussehen: Zunächst Grundhaltung und Stimmung hunderttausender Online-Identitäten im Netz erspüren, er-horchen (Social Listening). Sie, die Konsumenten, dann mit Bild und Text, in welchen Markenbotschaften sanft eingewoben sind, in ihren Urgefühlen berühren. Das Ergebnis, von Zuckerman, Hammelstein oder R.H. Hoyle bewiesen, ist purer, erlesener Markenerfolg: Der Sensation Seeker, reizüberdrüssig, wendet sich – ernst genommen in seiner unterschiedlichen Stimmung – der Marke zu, nimmt sie leichtfüssig wahr, beginnt sich für sie zu interessieren und ist geneigt sie zu kaufen.

 

Noch ein Wort zu Ihnen, Frau Wullschläger: Sie haben ja die Mail mit der Botschaft an Sie persönlich „Mega-Hyper-Super Erfolg durch Digital Communication“ aufgrund gähnender Langeweile entsprechender Betreffzeile sofort gelöscht. Wir haben nun ein US-amerikanisches Mega-Team engagiert, das uns für derart abgestumpfte und wenig zu begeisternde „Marke-Tiers“ wie Sie (und davon gibt es ja schon in der Schweiz Hunderte) ein „Thrill Awareness Tool“ in die Akquise-Mails einbauen wird. Es wird sie die nächste Mail also tatsächlich anspringen und aus Ihrem Überdruss am Arbeitsplatz reissen, der Sie schon längst Höflichkeit und Moral möglichen Geschäftspartnern gegenüber, vergessen liess. Wir, glauben Sie uns das, wollen Ihnen allen da draussen im Kampf um digitale, echte Erfolge, nur helfen. Jedoch, dafür aber müssten Sie schon mal etwas lesen, -

vielleicht sogar mehr als nur Ihre e-Mails!